Mit sechs Jahren bekam mein Sohn seinen ersten selbstgemachten Adventskalender. Davor gab es bei uns nur die gekauften. Ich hatte kleine Brotpapiertüten an einer dekorierten Girlande befestigt.
Was mich dann jedes Jahr wieder überrascht hat, war sein Gesicht am Morgen, wenn er die nächste Tüte abgenommen hat. Dieses kurze, ungefilterte Strahlen, jeden Tag neu.
Seither gibt es bei uns keinen gekauften Kalender mehr. Jahr für Jahr wird selbst gebastelt, und mittlerweile freue ich mich fast genauso darauf wie die Kinder, wenn ich ihn zusammenstelle.
Gerade taucht ein neuer Adventskalender-Automat in den sozialen Medien auf. Ein Fotorahmen mit Drehrad und 24 Kugeln, ausverkauft, überall gesucht. Viele Eltern fragen sich, ob und wie sie sowas selbst bauen können. Dazu kommt hier eine getestete Bauanleitung, dazu vier weitere Ideen zum Adventskalender selber machen für Kinder und ein paar Gedanken zum Befüllen, die über Schokolade hinausgehen.
- Warum der Adventskalender-Automat gerade überall auftaucht
- Adventskalender-Automat selber bauen: die getestete Nachrutsch-Version
- Adventskalender selber machen für Kinder: weitere DIY-Ideen
- Adventskalender befüllen, Ideen für Kinder ohne 24-mal Süßigkeiten
- Welche DIY-Idee passt zu welchem Kind, und zu wie viel Bastelzeit?
- Fazit
- FAQ
Warum der Adventskalender-Automat gerade überall auftaucht
Was hinter dem dm-Foto-Automaten steckt
Der Automat, um den es gerade geht, heißt offiziell "Paradies Rahmen DIY Foto-Automat 24 Kugeln". 24 kleine Kugeln, je etwa 3,8 Zentimeter groß, ein Drehrad an der Seite. Man dreht, eine Kugel fällt heraus. Aktuell ist er praktisch überall vergriffen.
Wichtig dabei: dm hat keinen Adventskalender erfunden. Verkauft wird ein Fotospender, gedacht für kleine ausgedruckte Fotos in den Kugeln. Dass daraus ein Adventskalender wird, ist eine Umfunktionierung durch die Nutzerinnen selbst, nicht ein Produkt, das ursprünglich dafür gedacht war.
Neu ist der Automat, und was daran nicht neu ist
Neu ist eigentlich nur die Welle. Die Idee, kleine Überraschungen aus einem Behälter fallen oder rutschen zu lassen, gibt es als DIY-Anleitung schon länger. Das dokumentierte Vorbild dafür ist der Advents-O-Mat von Kreativfieber aus dem Jahr 2021, ein Rohr mit Schachteln nach dem Nachrutsch-Prinzip. Der aktuelle Trend um den Foto-Automaten mit Kugeln ist im September 2026 wieder aufgeflammt. Das Grundprinzip dahinter ist trotzdem älter als der Rahmen selbst.
Adventskalender-Automat selber bauen: die getestete Nachrutsch-Version
Der Aufbau im Inneren des Kugel-Automaten ist nirgends öffentlich dokumentiert, und ich habe ihn nicht selbst nachgebaut. Deshalb kommt hier die Version, die tatsächlich getestet und beschrieben ist: der Advents-O-Mat aus einem Abflussrohr, mit Schachteln, die nachrutschen. Am Ende ist das Prinzip sehr ähnlich, nur mit anderem Baumaterial.
Klingt erst mal nach Werkstatt, nicht nach Wohnzimmertisch. Gebraucht wird aber vor allem eine Säge und etwas Geduld beim Trocknen.
Das brauchst du
Ein KG-Rohr mit 150 Millimeter Durchmesser, etwa 80 Zentimeter lang. Dazu 24 runde Pappschachteln mit etwa 125 Millimeter Durchmesser.
Für die Deko kommen Farbe, Zahlen zum Aufkleben oder Schreiben und etwas Pappe dazu. Kleber und ein Lackstift sind praktisch, zum Zuschneiden vom Rohr braucht es eine Säge.
Wer kein KG-Rohr zur Hand hat oder keins zuschneiden möchte, kann stattdessen eckige Schachteln in eine feste Kartonhülle stellen. Das Prinzip bleibt gleich, nur die äußere Form ist eine andere.
Wer keine passende Pappe zuhause hat, findet stabilen Bastelkarton in größeren Bögen auch fertig zugeschnitten.
So funktioniert das Nachrutsch-Prinzip
Die Schachteln stapeln sich im Rohr übereinander. Wird die unterste Schachtel entnommen, rutschen alle darüber liegenden automatisch ein Stück nach unten. Am nächsten Tag ist wieder eine neue Schachtel unten, ohne dass etwas nachgeschoben oder eingestellt werden muss. Nachjustieren ist bei diesem Prinzip nicht nötig.
Schritt für Schritt
Zuerst wird ein Sichtschlitz oder eine Entnahmeöffnung nahe dem unteren Rohrende ausgesägt, groß genug, dass eine Schachtel bequem herausgezogen werden kann. Das Rohr wird unten mit einer Pappe verschlossen, damit die Schachteln nicht direkt durchrutschen.
Dann werden alle 24 Schachteln dekoriert und von 1 bis 24 nummeriert. Eine kleine Führung im Inneren sorgt dafür, dass die Schachteln beim Nachrutschen nicht verkanten. Zum Schluss werden sie der Reihe nach gestapelt, die 1 unten, die 24 ganz oben.
Die Nummerierung sollte vor dem Stapeln aufgeklebt werden. Wird sie erst danach ergänzt, muss der ganze Stapel für die Beschriftung wieder auseinandergenommen werden.
Für die Nummerierung auf den Schachteln eignet sich ein Lackstift, der auch auf dunklerem Karton gut deckt.
Was in die Schachteln passt
Bei 125 Millimeter Durchmesser ist deutlich mehr Platz als in den kleinen Kugeln des dm-Automaten. Kleine Spielsachen, gefaltete Zettel, kleine Tütchen, sogar etwas dickere Gegenstände passen noch hinein. Welche Ideen sich konkret anbieten, dazu weiter unten mehr im Abschnitt zum Befüllen.
Adventskalender selber machen für Kinder: weitere DIY-Ideen
Papiertüten-Adventskalender
Das war unser erster Kalender überhaupt, kleine Brotpapiertüten, aufgereiht an einer Schnur oder Girlande. Man braucht 24 Papiertüten, eine lange Schnur oder ein Band, Wäscheklammern oder einen Tacker zum Befestigen, und was man eben zur Dekoration mag.
Zahlen aufmalen oder aufkleben, Tüten befüllen, an der Schnur festklammern. Kein Werkzeug, kaum Vorbereitung, und trotzdem sieht es an der Wand richtig gut aus.
Fertige Sets aus Papiertüten in unterschiedlichen Farben sparen den Griff zum Bastelladen.
Briefumschlag-Kalender für Erlebnisse und kleine Botschaften
Statt Gegenständen kommen hier Zettel in 24 kleine Briefumschläge. Ein Erlebnis, eine Aufgabe, oder einfach ein paar warme Worte für den Tag. Vorlesestunde am Abend, gemeinsam Kekse backen, ein Spaziergang im Dunkeln mit Taschenlampe.
Die Umschläge werden nummeriert und an einer Wäscheleine aufgehängt oder in einem Korb aufgestellt.
Ein kleines Zahlen-Stempel-Set macht das Nummerieren schneller als Schreiben von Hand. Und die Kinder haben danach auch noch ihren Spaß damit.
Hier findest du ein Zahlenstempel-Set*
Schatzkarten-Adventskalender
Bei dieser Idee wird kein einziger Behälter gebastelt. Es gibt eine Karte der Wohnung, und jeden Tag kommt darauf ein neuer Punkt dazu. Das Kind schaut auf die Karte, sucht die markierte Stelle und findet dort eine kleine Notiz oder eine Kleinigkeit, die am Abend vorher versteckt wurde. Statt 24 Tüten zu falten und zu bekleben, gibt es jeden Morgen ein kurzes Suchspiel.
Für die Karte reicht ein Bogen Papier oder Karton, dazu ein paar Stifte zum Zeichnen. Zum Markieren der Tage eignen sich kleine Sticker oder ein Stempel. Mit etwas Klebeband lassen sich die Verstecke auch an Stellen befestigen, wo sonst nichts liegen bleibt, etwa unter einer Tischplatte oder an der Innenseite einer Schranktür.
Die Karte muss kein Kunstwerk sein. Ein grober Grundriss genügt, mit Sofa, Tisch, Bücherregal und Garderobe als einfache Kästchen oder kleine Zeichnungen, damit das Kind sich darauf wiederfindet. Für jüngere Kinder ist ein einzelner Raum oft übersichtlicher. Ältere mögen es meist, wenn die ganze Wohnung mitspielt und die Stellen auf der Karte etwas kniffliger werden.
Jetzt kommt vermutlich der Gedanke, dass tägliches Verstecken noch eine Aufgabe mehr für die ohnehin vollen Dezemberabende ist. Tatsächlich dauert es meist nur ein, zwei Minuten: Kleinigkeit an die Stelle legen oder festkleben, auf der Karte einen Sticker setzen, fertig. Wer abends nicht jedes Mal überlegen möchte, schreibt sich am Anfang einfach 24 Verstecke auf eine Liste. Gut sind Stellen, die das Kind ohne Klettern erreicht.
Über den Monat füllt sich die Karte nach und nach mit Markierungen, und am 24. Dezember ist daraus eine kleine Landkarte des ganzen Advents geworden.
Adventskalender aus Papierrollen
Leere Klopapier- oder Küchenrollen, an beiden Enden mit buntem Papier verschlossen und verdreht wie ein Bonbon, ergeben 24 kleine Päckchen. Diese Variante braucht am wenigsten Neukäufe, weil die Rollen sowieso im Haus anfallen. Aufgehängt an einer Girlande oder in ein Regal gelegt wirkt die Reihe erstaunlich festlich, für den Aufwand, der dahintersteckt.
Adventskalender befüllen, Ideen für Kinder ohne 24-mal Süßigkeiten
Ich kenne den Gedanken gut. Bei uns hält sich hartnäckig die Erwartung, dass jeden Tag Schokolade drin sein muss. 24 Tage lang jeden Tag etwas Neues fühlt sich nach viel Aufwand und noch mehr Ausgaben an. Muss es aber nicht.
Kreative Kleinigkeiten für Tüten, Schachteln und Rohr
Kleine Radiergummis, Sticker, ein Mini-Notizblock, Haargummis, ein neuer Buntstift, ein kleines Rätselheft.
Bei kleineren Geschwistern im Haus lohnt sich ein kurzer Blick auf die Größe der Füllung. Kleinteile wie Perlen oder kleine Radiergummis gehören dann eher zu den größeren Schachteln als zu Tüten, die überall herumliegen können. Herumliegende Kleinteile können für ein kleines Geschwisterkind gefährlich werden.
Stickerbögen in großen Mengen sind eine der günstigsten Füllideen überhaupt, gerade wenn 24 Tage gefüllt werden müssen.
Ein kleines Rätselheft für die passende Altersgruppe füllt gleich mehrere Tage auf einmal, wenn es in Abschnitten genutzt wird.
Ein Rätselheft findest du hier.*
Zeit statt Zeug
Gutscheine für gemeinsame Zeit funktionieren bei uns oft besser als jedes Spielzeug. Das klingt erst mal nach zu wenig, verglichen mit einem eingepackten Geschenk. Ein Gutschein für eine extra Gutenachtgeschichte, für eine Stunde ohne Aufräumen, für einen Ausflug am Wochenende. Das kostet nichts, braucht aber, dass der Termin wirklich eingehalten wird.
Ein größeres Projekt über mehrere Tage verteilen
Statt 24 einzelner Kleinigkeiten lässt sich auch ein einziges größeres Projekt über den ganzen Monat verteilen. Ein Puzzle, bei dem täglich ein paar Teile dazukommen, oder eine Weihnachtsgeschichte, die in 24 kurzen Abschnitten erzählt wird. Am Ende steht ein fertiges Ergebnis, nicht nur 24 einzelne Kleinigkeiten.
Welche DIY-Idee passt zu welchem Kind, und zu wie viel Bastelzeit?
Nicht jede Idee passt zu jeder Familie und jeder Wochenendplanung. Ein grober Überblick:
| Idee | Aufwand | Passt gut zu |
|---|---|---|
| O-Mat (Nachrutsch) | Mehr Aufwand, ein Nachmittag plus Trockenzeit | Kindern, die Technik und Mechanik spannend finden |
| Papiertüten | Schnell, unter einer Stunde | Wenig Zeit, soll trotzdem hübsch aussehen |
| Briefumschläge | Mittel, gut über mehrere Abende planbar | Erlebnisse und Botschaften statt Dingen |
| Schatzkarte | Mittel, Karte einmalig zeichnen, danach nur noch tägliches Verstecken | Kindern, die Suchspiele und kleine Abenteuer lieben |
| Papierrollen | Mittel, Upcycling aus Vorräten | Wenig extra kaufen wollen |
Fazit
Bei uns bleibt es auch dieses Jahr wieder selbstgemacht. Kein Kalender aus dem Regal, egal wie hübsch verpackt. Der O-Mat mit den Schachteln, die Papiertüten von früher, oder eine der anderen Ideen, am Ende zählt weniger die perfekte Bastelarbeit als die tägliche kleine Überraschung dahinter. Genau das war es bei meinem Sohn mit sechs, und genau das ist es bei uns bis heute, jedes Jahr wieder, mittlerweile mit einer Vorfreude, die ich mir selbst nicht mehr wegdenken möchte.
FAQ
Ist der dm-Foto-Automat ein Adventskalender?
Offiziell nicht. Verkauft wird ein Fotospender für kleine Fotos, gedacht als Deko oder Geschenkidee. Zum Adventskalender wird er erst durch die Umfunktionierung der Käuferinnen.
Wie groß sind die Kugeln beim dm-Automaten?
Etwa 3,8 Zentimeter im Durchmesser, deutlich kleiner als die Schachteln der Nachrutsch-Version aus diesem Artikel.
Kann man einen Adventskalender-Automaten selbst bauen?
Ja, zumindest die Nachrutsch-Version mit Rohr und Schachteln ist dokumentiert und getestet, die Anleitung dazu steht oben. Für den Dreh-Mechanismus mit Kugeln gibt es dagegen keine geprüfte Bauanleitung, nur eine grobe Idee für alle, die selbst tüfteln möchten.
Was kann ich statt Süßigkeiten hineinfüllen?
Kleine Gegenstände wie Sticker oder Radiergummis, Gutscheine für gemeinsame Zeit, oder ein größeres Projekt, das sich über den ganzen Dezember verteilt. Mehr Ideen dazu weiter oben im Abschnitt zum Befüllen.
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Vierfache Mama, davon Zwillinge mit 41. Ich schreibe über das, was ich selbst durchlebt habe, und was mir damals wirklich geholfen hätte.

