Kleinkind liegt ruhend auf cremefarbener Decke auf dem Boden, ein Fieberthermometer liegt daneben, eine Erwachsenenhand hält das Kind fürsorglich

Fieberkrampf beim Baby und Kleinkind: Was tun im Notfall?

Dein Kind liegt vor dir und zuckt. Du weißt nicht, wie lange es schon so geht. Du weißt nicht, was du tun sollst. Und du bist allein in diesem Moment.

Genau für diese zwei Minuten ist dieser Artikel da. Nicht für danach, wenn die Erleichterung kommt und du wieder klar denken kannst. Sondern für den Moment davor, in dem ein ruhiger Plan im Kopf mehr hilft als alles andere.

Fieberkrämpfe sehen schlimmer aus, als sie in den meisten Fällen sind. Aber das hilft dir im Ernstfall nur, wenn du weißt, was zu tun ist.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel bereitet vor und gibt einen Überblick. Er ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs und keine ärztliche Beurteilung. Nach jedem Fieberkrampf das Kind ärztlich untersuchen lassen. Im Notfall gilt: 112 wählen.

Inhaltsverzeichnis

Symptome erkennen: Was passiert beim Fieberkrampf?

Ein Fieberkrampf entsteht, wenn das Nervensystem eines kleinen Kindes auf einen plötzlichen Fieberanstieg reagiert. Er trifft Kinder zwischen etwa sechs Monaten und fünf Jahren, am häufigsten im zweiten Lebensjahr.

Was dabei passiert, ist erschreckend anzusehen. Der Körper des Kindes zuckt unkontrolliert, die Muskeln ziehen sich zusammen und erschlaffen im Wechsel. Das Kind verliert das Bewusstsein. Die Augen können nach oben oder zur Seite drehen. Manchmal wird das Gesicht blass oder bläulich, die Lippen können sich leicht verfärben. Zungenbiss oder unkontrollierter Harnabgang kommen vor. Viele Krämpfe dauern nur wenige Minuten und hören von allein wieder auf.

Ein Punkt, der viele Eltern überrascht: Es ist nicht die Höhe des Fiebers, die einen Krampf auslöst. Fieberkrämpfe entstehen oft im Anstieg, also in der Phase, in der das Fieber schnell steigt, nicht unbedingt dann, wenn es besonders hoch ist. Das bedeutet, das Kind kann einen Krampf bekommen, bevor du überhaupt gemerkt hast, dass es Fieber hat.

Nach dem Krampf schläft das Kind oft ein oder wirkt sehr erschöpft. Das ist normal. Der Körper hat gerade eine enorme Anstrengung hinter sich.

Sofortmaßnahmen: Was du jetzt tust

Sicherheit und Beobachtung

Das Wichtigste zuerst: Du kannst den Krampf nicht stoppen. Und du musst ihn auch nicht stoppen. Deine Aufgabe in diesem Moment ist, das Kind zu schützen und zu beobachten.

Leg das Kind auf den Boden oder eine weiche, flache Fläche. Schieb alles weg, woran es sich stoßen könnte: Tischkanten, Spielzeug, harte Gegenstände. Ein Kissen oder eine gefaltete Jacke unter den Kopf, wenn beides greifbar ist.

Dann kniee daneben. Nicht mehr, nicht weniger.

Enge Kleidung am Hals und am Bauch lockern, damit das Kind frei atmen kann. Dreh den Kopf vorsichtig zur Seite, damit Speichel oder Erbrochenes abfließen kann, ohne dass das Kind sich verschluckt. Schau auf die Uhr und merk dir, wann der Krampf begonnen hat.

Und dann beobachte: Atmet das Kind? Wie sieht die Hautfarbe aus? Betrifft der Krampf den ganzen Körper oder nur eine Seite?

Kind nicht festhalten, Atmung sichern

Halt das Kind nicht fest. Das ist der Instinkt, aber er ist falsch. Festhalten kann Verletzungen verursachen, weil sich Muskeln im Krampf mit erheblicher Kraft bewegen. Schütteln ist ebenfalls verboten, auch wenn der Impuls kommt.

Nichts in den Mund legen. Keinen Löffel, keinen Finger, kein Tuch. Der Gedanke, das Kind könnte sich die Zunge abbeißen, ist weit verbreitet, aber in der Praxis kein reales Risiko. Fremdkörper im Mund sind das echte Risiko.

Wenn das Kind erbricht: Kopf sofort weiter zur Seite drehen, damit nichts in die Atemwege gelangt.

Beobachte die Atmung. Wenn das Kind während des Krampfes blau anläuft und sich auch nach kurzer Zeit keine normale Atemfarbe zurückbildet, ist das ein Zeichen, das sofort die 112 braucht.

Schematische Illustration eines Kleinkindes in stabiler Seitenlage, Kopf zur Seite gedreht, ein Bein leicht angewinkelt zur Stabilisierung, Sage-Earth-Farben

Stabile Seitenlage: Kopf zur Seite drehen, damit Atemwege frei bleiben.

Dauer messen und den Notruf im Blick behalten

Schau auf die Uhr, sobald der Krampf beginnt. Nicht weil eine bestimmte Minutenzahl alles entscheidet, sondern weil der Arzt oder die Leitstelle danach fragen werden, und weil du in dem Moment wahrscheinlich das Zeitgefühl verlierst.

112 rufst du, wenn:

  • der Krampf nicht von allein aufhört
  • das Kind sich danach nicht normal erholt
  • der Krampf nur eine Seite des Körpers betrifft
  • mehr als ein Krampf hintereinander auftritt
  • dein Kind jünger als drei Monate ist
  • es der erste Fieberkrampf überhaupt ist

Im Zweifel rufst du an. Die Leitstelle beurteilt mit dir zusammen, ob ein Notarzt kommt. Den Gesamtüberblick über alle Baby-Notfälle findest du im Erste Hilfe-Artikel.

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Wann du sofort 112 wählst

Es gibt keine Situation, in der es falsch wäre, beim ersten Fieberkrampf deines Kindes die 112 zu wählen. Wenn du unsicher bist, rufst du an. Die Leitstelle entscheidet dann mit dir, was als nächstes passiert.

Diese Zeichen sind ein klarer Ruf an die 112:

Der Krampf hört nicht von allein auf. Wenn der Krampf andauert und keine Tendenz zeigt aufzuhören, ist das der Moment für den Notruf. Keine Minutenzahl entscheidet hier, sondern der Verlauf: Ein Krampf, der anhält, braucht Medikamente, die du nicht zuhause hast.

Das Kind erholt sich danach nicht normal. Nach einem einfachen Fieberkrampf ist das Kind erschöpft, aber erweckbar und atmet normal. Wenn das Kind bewusstlos bleibt oder die Atmung flach und auffällig ist, sofort 112.

Nur eine Seite des Körpers ist betroffen. Wenn der Krampf einseitig verläuft, also nur Arm und Bein auf einer Körperseite zucken, ist das ein Zeichen für einen komplizierten Verlauf.

Mehrere Krämpfe hintereinander. Wenn dein Kind nach einer kurzen Erholungsphase wieder einen Krampf bekommt, ist das ein Notfall.

Baby unter drei Monaten. Für sehr junge Babys gilt grundsätzlich: beim ersten Anzeichen eines Fieberkrampfes sofort die 112.

Es ist der erste Fieberkrampf überhaupt. Beim allerersten Mal lässt du immer den Arzt entscheiden. Ein Fieberkrampf kann in seltenen Fällen auf eine ernstere Ursache hinweisen, zum Beispiel eine Hirnhautentzündung. Das schließt der Arzt aus, du kannst das nicht.

Auch wenn der Krampf von allein aufgehört hat und dein Kind danach schläft und normal wirkt: Am selben Tag noch zum Kinderarzt. Immer.

Nach dem Krampf: Ruhe und was jetzt kommt

Wenn der Krampf vorbei ist, bist du wahrscheinlich erschöpft. Das Kind auch.

Leg es in die stabile Seitenlage, wenn es noch nicht dort liegt. Dann beobachten: Atmet es normal? Erholt sich die Hautfarbe? Ist es erweckbar, auch wenn es schläfrig ist?

Jetzt ist der Moment, die Temperatur zu messen. Wenn das Kind offensichtlich leidet, kannst du nach ärztlicher Empfehlung fiebersenkende Mittel geben, zum Beispiel ein Zäpfchen. Wadenwickel können dabei helfen, das Kind etwas zu entlasten. Aber: Das Fiebersenken ist jetzt Fürsorge für das Kind, nicht Vorbeugung gegen einen neuen Krampf.

Ein Punkt, der viele Eltern entlastet: Einfache Fieberkrämpfe hinterlassen keine Schäden. Das Gehirn des Kindes ist nicht dauerhaft beeinträchtigt. Das Wiederholungsrisiko liegt bei etwa einem Drittel aller Kinder, die einmal einen Fieberkrampf hatten. Aber auch Kinder, die mehrfach Fieberkrämpfe hatten, entwickeln sich in aller Regel völlig normal.

Wenn dein Kind häufiger Fieberkrämpfe hat oder einen besonders langen oder einseitigen Verlauf hatte, kann der Arzt ein Notfallmedikament verschreiben, das du zuhause bereithälst. Das gibt dir eine echte Handlungsoption für den nächsten Ernstfall, und das ist wert, beim Kinderarzt aktiv danach zu fragen.

Vorbeugung und Mythen

Einer der verbreitetsten Glaubenssätze rund um Fieberkrämpfe lautet: Wenn ich das Fieber rechtzeitig senke, kann ich den Krampf verhindern. Das stimmt nicht.

Die aktuellen Leitlinien (IQWiG, Stand November 2025) sind an dieser Stelle klar: Vorbeugendes Fiebersenken verhindert Fieberkrämpfe nicht. Fieberkrämpfe entstehen oft im Fieberanstieg, also bevor das Fieber überhaupt richtig messbar hoch ist. Eine Ibuprofen- oder Paracetamol-Gabe zu einem frühen Zeitpunkt kann daran nichts ändern.

Das bedeutet nicht, dass Fiebersenken falsch ist. Es bedeutet, dass es dem Kind Erleichterung verschafft, wenn es leidet. Aber der Gedanke "Ich hätte früher etwas geben müssen", der nach einem Fieberkrampf so häufig kommt: Der ist nicht berechtigt. Kein Elternteil ist schuld daran, wenn das Kind einen Fieberkrampf bekommt. Fieberkrämpfe haben eine genetische Komponente und sind in weiten Teilen nicht vorhersehbar und nicht verhinderbar.

Ein digitales Thermometer, das du schnell und zuverlässig nutzen kannst, gehört in jede gut bestückte Hausapotheke. Bei Kleinkindern ist ein Stirnthermometer praktisch, weil du die Temperatur auch dann ablesen kannst, wenn das Kind schläft oder gerade unruhig ist.

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Und noch etwas: Es hilft, den Ernstfall einmal gedanklich durchgespielt zu haben. In Ruhe, nicht in Panik. Zu wissen, dass man das Kind auf den Boden legt. Dass man nicht festhält. Dass man auf die Uhr schaut. Das sind drei Handgriffe. Drei Handgriffe, die den Unterschied machen.

Was für den Fieberkrampf gilt, gilt auch für andere Notfälle. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, was zu tun ist, wenn ein Baby sich verschluckt: Baby verschluckt sich und bekommt keine Luft.

Häufige Fragen

Was soll ich tun, wenn mein Baby einen Fieberkrampf bekommt?

Leg das Kind auf eine weiche Fläche, schieb alles Gefährliche weg und kniee daneben. Nicht festhalten, nichts in den Mund legen, Kopf zur Seite drehen. Schau auf die Uhr und beobachte, ob der Krampf von allein aufhört. Beim ersten Fieberkrampf immer die 112 rufen.

Wann muss ich beim Fieberkrampf die 112 rufen?

Beim ersten Fieberkrampf überhaupt, bei Babys unter drei Monaten, wenn der Krampf nicht von allein aufhört, wenn nur eine Körperseite betroffen ist, wenn mehrere Krämpfe hintereinander auftreten oder wenn sich das Kind danach nicht normal erholt. Im Zweifel immer anrufen.

Kann ich einen Fieberkrampf durch rechtzeitiges Fiebersenken verhindern?

Nein. Die aktuellen Leitlinien sind klar: Vorbeugendes Fiebersenken verhindert Fieberkrämpfe nicht. Fieberkrämpfe entstehen oft im Fieberanstieg, bevor das Fieber überhaupt richtig hoch ist. Du trägst keine Schuld, wenn dein Kind einen Fieberkrampf bekommt.

Schadet ein Fieberkrampf dem Gehirn meines Kindes?

Nein. Einfache Fieberkrämpfe hinterlassen keine Schäden. Das Gehirn des Kindes ist nicht dauerhaft beeinträchtigt. Auch Kinder, die mehrfach Fieberkrämpfe hatten, entwickeln sich in aller Regel völlig normal.

Ein Fieberkrampf ist einer der beängstigendsten Momente, die du als Mama erleben kannst. Er sieht aus, als würde etwas sehr Schlimmes passieren. Und gleichzeitig ist er in den allermeisten Fällen harmloser, als er wirkt.

Du musst keine Ärztin werden. Du musst nur wissen, was in diesen zwei Minuten zu tun ist. Und das weißt du jetzt.

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel bereitet vor und gibt einen Überblick über Fieberkrämpfe bei Babys und Kleinkindern. Er ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Nach jedem Fieberkrampf das Kind ärztlich untersuchen lassen. Im Notfall immer zuerst: 112 wählen.

Quellen:
IQWiG / gesundheitsinformation.de: Was ist ein Fieberkrampf? (aktualisiert November 2025)
AWMF S1-Leitlinie Fieberkrämpfe im Kindesalter, GNP 2021 (gültig bis Mai 2026)
Kinderärzte im Netz (BVKJ): Eltern-Info Fieberkrampf
DGKJ Elterninformation „Fieberkrampf"
DRK Elterncampus: Fieber